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Freitag, 27. November 2009

Status Update: Julia wants her facebook back.

Seit ich hier bin, habe ich noch nie allzu ärgstes Heimweh gehabt, oder das Gefühl, ganz allein in der Fremde zu sein, weit weg von all meinen Freunden und Familie völlig verloren im wochenlangen Dauerregen an der Atlantikküste zu hocken.
Das Internet macht's möglich. Und zwar genauer gesagt FACEBOOK.
Ich kann in Echtzeit mit meinen Freunden plaudern, egal, ob sie in Waidhofen in ihrem warmen Zimmerchen sitzen oder in Los Angeles gerade festgestellt haben, dass sogar in Kalifornien der Pazifik im November kalt ist. Fünf Minuten, nachdem sie die Zehen in den kalten Ozean getaucht haben, weiss ich es. Updates aus Kalifornien gibt's auch von Bekannten, die gerade ihr Auslandssemester in Berkeley machen, inklusive Fotos. Ohne facebook würde ich davon nichts mitkriegen. Ich bekomme Mitleidsbekundungen aus Heidelberg, weil ich die verdammte Kaution vom Studentenheim in Irland noch immer nicht zurückbekommen habe, und kann meinerseits (beinahe) kotzenden Kunstgeschichtestudentinnen in Wien "Gute Besserung" wünschen. (Gut, das habe ich nicht getan, sondern hämisch vom Thanksgiving-Turkey geredet. Aber theoretisch hätte ich können.) Weiters ist unser Studiengang recht erfolgreich darin, unser Publishing-Projekt, ein Literaturmagazin namens ROPES, über facebook zu promoten, was facebook für uns zu einem notwendigen Arbeitsmittel macht. (Besucht unsere ROPES-Facebookseite, by the way! Ich wünschte, ich könnte euch den Link hier posten, aber ich kann leider zur Zeit nicht auf facebook zugreifen.) Und nebenbei kann ich ganz wunderbar Sprachen lernen, weil man dank kreativen Übersetzern die facebook-Website in beinahe allen denkbaren Sprachen von Russisch über Latein bis zu Pirate Englisch benutzen kann. (Momentan habe ich die Seite auf "Latein" gestellt, was meine "Homepage" zu "domus" macht, und statt "write post" gibt es dann "sententiam scribere", Nachrichten heissen "epistulae" und so weiter... Wunderbar. So leicht trainiert man selten lateinische Alltagsvokabel.)

Facebook trägt also überraschend viel dazu bei, dass man sich auch drei Flugstunden von zu Hause entfernt nie so fühlt, als wäre man weit weg. BIS JETZT.

Denn da viele irische Studenten schlicht und einfach zu blöd sind, ein bisschen auf andere Rücksicht zu nehmen, und stundenlang auf facebook herumgurken und depperte Spiele spielen, auch wenn hinter ihnen zehn andere Leute auf einen Computer warten, wurde an allen Unicomputern facebook nun gesperrt. Und da mein Laptop (noch immer) kaputt ist, bedeutet das, kein facebook für mich.
Seit mein Laptop hin ist, sitze ich stundenlang auf der Uni und schreibe Essays, alleine in einem fensterlosen, winzigen Raum mit fünf Computern, der sich "Postgrad PC Suite" nennt. Und wenn man in einer solchen Umgebung über Themen wie "Publishing Law" schreibt, ist es schwer, nicht völlig verrückt zu werden, wenn man daneben nicht via facebook zumindest einen gewissen Kontakt zur Aussenwelt aufrechterhalten kann. Und nebenbei, wie viele wirklich gute Ideen für Essays ich schon im facebook-chat mit meiner Freundin Isa entwickelt und diskutiert habe, kann ich gar nicht mehr zählen.
Und was mach ich jetzt? Keiner meiner Freunde kann es sich leisten, mich hier für längere Plaudereien oder auch nur ein kurzes, sinnloses "Hallo!", anzurufen, geschweige denn für noch längere Diskussionen über ethisch bedenkliche privacy laws in England. E-mails sind umständlich. ICQ und diverse Messenger kann ich hier nicht runterladen. Auf anderen Seiten ausser facebook trifft man normalerweise niemanden an. Mal ehrlich, wer verwendet noch den Plauderkasten im studivz? (Abgesehen davon spinnt der noch öfter als der Chat auf facebook.)

In meiner Postgrad PC Suite ist IMMER ein Computer frei. Ich blockiere also rein gar nichts, wenn ich auf facebook bin. Und wenn tatsächlich einmal jemand auf einen freien PC warten würde, dann bin ich so anständig, nicht meine Zeit auf facebook zu vertrödeln.
Aber anscheinend sind viele irische Studenten nicht vernünftig genug für ein bisschen Rücksichtnahme und Denken ausserhalb ihres eigenen kleinen Hirnkastls, und anscheinend fällt der Uni keine bessere Massnahme zur sozialen Erziehung ihrer Studenten ein, als die Seite einfach zu sperren. Ja, ich verstehe, dass einige irische Studenten geistig noch ein bisschen zu jung sind, um zu erkennen, dass es nicht okay ist, wenn man Zeit auf facebook verschwendet, während andere zu Studienzwecken dringend an den Computer müssen. Aber wir sind hier trotzdem auf der Universität, und nicht im Kindergarten! Die Universität soll bilden, und wenn ein Defizit an sozialer Verhaltenskompetenz bei den Studenten erkannt wird, dann ist es ein Fall von Faulheit und völlig dämlich, darauf mit dem Kindergartenmodell "ich tu dir das jetzt verbieten!" zu reagieren. Glaubt ihr Heinis wirklich, dass besagte Studenten aus dem facebook-Verbot etwas lernen? Dass sie plötzlich die Erleuchtung haben "Oh, stimmt, da habe ich mich falsch verhalten und werde mich in Zukunft bessern"? Im besten Fall werden sie lernen, wie man die Blockade umgeht, was immerhin noch einen gewissen Wert an Computerkompetenzerwerb hat. Im wahrscheinlichsten Fall werden sie einfach auf andere Seiten ausweichen, um Spiele zu spielen.
Die etwas weniger faule, aber dafür dem Universitätsumfeld angemessenere Variante wäre gewesen, sich mit einer Nachricht an die Studenten zu wenden, ihnen das Problem zu erklären und an ihre Vernunft zu appellieren. Optimistisch wie ich bin, bin ich sicher, dass das sogar in die Hirne gewisser siebzehnjähriger, frisch aus der Volksschule kommender Studentchen irgendwie reingegangen wäre.
Wenn das nichts hilft, dann sperrt von mir aus facebook - und macht euch Sorgen um den Zustand eures Akademikernachwuchses.

Freitag, 20. November 2009

still. raining.

Ich glaube, jetzt habe ich es wirklich geschafft, eine kleine Vorschau auf die Apokalypse zu bekommen (laut Maya-Kalender und Hollywood ja irgendwann um 2012 herum): Wir haben momentan in Irland die schlimmsten Regenfälle seit 30 (!) Jahren. Und Irland ist ja jetzt normalerweise auch nicht für sonniges Wetter bekannt...

Cork ist überflutet, aus Galway kommt man zur Zeit nicht raus, weil sowohl Strassen als auch Eisenbahnlinien völlig unter Wasser stehen. Man kommt übrigens auch nicht nach Galway rein. Zwei von drei Lehrveranstaltungen sind heute schon abgesagt worden, weil die Vortragenden uns nicht erreichen können und irgendwo in Irland hängengeblieben sind.
Der Wasserstand auf den Gehwegen am Unicampus schwankt zwischen "leicht bedeckt" und knöcheltief. Seit kurzem haben wir ausserdem hier nicht nur einen "tidal river" (der Corrib steigt und fällt mit Ebbe und Flut in der Galway Bay), sondern auch "tidal sidewalks" und "tidal streets". (Nicht, dass die Autofahrer deswegen langsamer unterwegs wären. Aber da man normalerweise eh schon pitschnass ist, wenn man es vom Haus bis zur Strasse schafft, ist es auch schon wurscht, wenn neben einem ein Bus durch eine Furt rast und von oben bis unten anspritzt.)

Kommentare von den Mädels aus meinem MA-Programm, die gerade hier bei mir im Computerraum sitzen:

"We're all going to die, apparently."
"Everything's cancelled, nobody can get anywhere. It's a bit like war."
"That's just the first wave of the apocalypse..."

Ich hatte ja in den letzten Tagen schon den Eindruck, dass es etwas mehr regnete als sonst. Da sonst niemand das zu bemerken schien, dachte ich, es liegt an mir, und ich muss mich einfach nur noch ein bisschen besser an das irische Wetter gewöhnen...

Wieder etwas neues gelernt: Wie es aussieht, gibt es sogar in Irland einen Punkt, an dem der Regen einfach ZU VIEL wird...

Irish Times - Artikel

Donnerstag, 19. November 2009

raining. again.

Habe gestern erwachsene Iren heulen, normalerweise vernünftige Menschen unkontrolliert "Fuck you!" in richtung Fernseher schreien und Biergläser durchs Pub fliegen gesehen. Und das alles nur, weil die Franzosen nicht mitgekriegt haben, dass sie gestern nicht Handball, sondern Fussball spielen sollten. Recession, depression, and the weather is bad - what a sad day for Ireland.

Für alle, die den gestrigen Skandal, der die Welt erschüttert hat, nicht mitbekommen haben:

orf.at-Artikel über WM-Qualifikationsspiel Irland - Frankreich
youtube-Video

Donnerstag, 12. November 2009

More exciting news from Galway.

"Seit du dort bist, scheint Galway das Zentrum der Welt zu sein", sagte vor kurzem eine weise Frau zu mir. (Was, nebenbei gesagt, wieder einmal bestätigt, was ich mir schon immer gedacht habe, auch wenn alle anderen Leute versucht haben, es mir auszureden: Die Welt dreht sich halt doch um mich.) Und jene weise Frau hat recht: In Galway ist einfach immer etwas los. (Man erinnere sich an die Bounty!)

Vor einigen Tagen hat sich nun eine Filmcrew in Galway eingenistet, und steht mir seitdem im Weg herum, wo auch immer ich hingehe. Es schüttet und ich will unter dem Spanish Arch durchgehen? Sicher hat sich die Filmcrew dorthin geflüchtet und wartet auf besseres Wetter und bessere Zeiten. Ich spaziere am Abend die hinterste Hintergasse Galways am Corrib-Kanal entlang (wo man eigentlich als Frau ab einer gewissen Uhrzeit aufgrund des Alkoholgehalts irischer Männer nicht mehr allein unterwegs sein sollte)? Die Filmcrew ist dort, und filmt eine Szene, in der die Hauptfigur besoffen fast in den Kanal fällt. Und laut meinem Mitbewohner haben sie vor kurzem so nahe an unserem Haus gedreht, dass sie fast beim Wohnzimmerfenster hereingepurzelt sind.

Verfilmt wird, wie The Connacht Tribune schreibt, "The Guards", ein Roman vom Galwayer Krimiautor Ken Bruen. Es geht um einen ständig besoffenen Privatdetektiv namens Jack Taylor, der ständig besoffen ist, ein verschwundenes Mädchen in Galway suchen soll und dabei ständig besoffen ist. (Hört sich glücklicherweise gar nicht nach einem typisch klischeehaften Iren an.) Mehr weiss ich leider nicht, werde das Buch aber sobald wie möglich lesen.
Es wäre natürlich nicht Irland, und es stünde nicht auf meinem Blog, wenn es nicht noch ein nettes Extra-Detail mit Potenzial für Slapstick-Verwechslungskomödien gäbe: Um das ganze etwas witziger zu gestalten, ist es nicht nur ein Filmteam, sondern zwei, die zur gleichen Zeit dasselbe Buch im selben Galway verfilmen. Einmal als Koproduktion einer irischen Filmfirma mit RTL und Iain Glen als Jack Taylor, und einmal, laut The Connacht Tribune, von der Dubliner Produktionsfirma Elemental Pictures mit Brendan Gleeson in der Hauptrolle. Von zweiterer Filmcrew habe ich bis jetzt allerdings noch nichts bemerkt - es sind Iain Glen and friends, die momentan Galway unsicher machen.

Dank der mir eigenen Eleganz eines Schwans bestand meine interessanteste Begegnung mit der Filmcrew bis jetzt darin, dass ich beinahe den Hauptdarsteller über den Haufen gerannt hätte. Sorry, Iain Glen, aber was kann ich dafür, wenn ihr den Spanish Arch blockiert und ich es eilig habe. Immerhin kann ich jetzt sagen, dass ich beinahe mit einem Star zusammengestossen bin, der schon neben Angelina Jolie den bad guy gespielt hat (in Tomb Raider I).
Justine, die Kanadierin in meinem MA-Programm, macht sich über mich lustig, weil ich so begeistert von der ganzen Sache bin. Für sie ist das nichts besonderes - ihr Cousin arbeitet für eine kanadische Filmproduktionsfirma, und in Kanada werden dauernd grosse Filme gemacht. Aber ich komme aus einer kleinen Stadt in Österreich, ok? Mich fasziniert das sehr, wenn mal in meiner Nähe ein Film gedreht wird, mit waschechten Stars. (Ich erinnere mich noch gut daran, wie meine Heimatstadt ca. ein Jahr lang Kopf stand, weil sie Kulisse für einen Film mit Tobias Moretti war, und er tatsächlich einige Tage dort verbrachte!!! Hach ja, those were the days.)

Wenn der Film dann im Fernsehen gezeigt wird, werde ich vermutlich alle fünf Minuten aufspringen und schreien "That's our house!" "That's on my way to college!" "I was watching when they were shooting that scene!". Eine Zumutung für alle, die mit mir den Film anschauen, ich weiss.
Aber trotzdem... das ist alles sooo aufregend!!!

Samstag, 31. Oktober 2009

The Number 1 Bad Topic for Smalltalk

Ich weiss nicht, warum Leute es immer wieder für nötig halten, fünf Minuten, nachdem sie mich kennengelernt haben, über Hitler zu reden. Warum passiert es mir andauernd, dass mich Leute, sobald sie gehört haben, woher ich komme, mit grossen Augen anschauen und in bedeutungsvoll-verschwörerischem Tonfall sagen "Did you know that Hitler was from Austria?"

Ja, ich bin Österreicherin, habe in Wien Geschichte studiert und bin nicht komplett aufs Hirn gefallen - ich habe schon einmal vage davon gehört. Aber ich habe keine Lust, schon wieder ungezwungenen Smalltalk über Nationalsozialismus zu machen, mit Leuten, die ich gerade kennengelernt habe. Der Grund dafür ist nicht irgendein nationaler Verdrängungs-, Schuld- oder Sonstwas-Komplex, wie manche kluge, alles durchschauende Iren, Amerikaner und allgemein Nicht-Deutsche und Nicht-Österreicher vielleicht annehmen würden. Ich diskutiere jederzeit gerne über Hitler, Nazis und den Zweiten Weltkrieg. Ich rede nur nicht gerne zum hundersten Mal darüber mit Leuten, die nichts Intelligenteres zu dem Gespräch beizutragen haben als "Did you know that Hitler was Austrian?" und "Hitler was a brilliant politician!"

Also, ein für allemal: Hitler ist kein passendes Gesprächsthema für Halloweenpartys. Wenn ihr eine Österreicherin oder Deutsche trefft, die nicht mit euch über Hitler reden will, dann ist der Grund dafür mit grösster Wahrscheinlichkeit nicht eine generelle Abneigung, über das Thema zu diskutieren. Der Grund ist, dass sie keine Lust hat, Idioten wie euch schon wieder erklären zu müssen, dass Hitler nicht eigentlich eh ein "nice guy" war, wie ihr versucht, uns einzureden. Und nein, wir sind nicht dieser Meinung, nur weil wir in Österreich und Deutschland gehirngewaschen werden und ständig eingeredet bekommen, dass Hitler böse war. Das hat schon seine Berechtigung. Und nein, es ist nicht okay, zu Halloween Hitler-Kostüme und Nazi-Uniformen in den Geschäften zu verkaufen. Und nein, es sollte nicht notwendig sein, auf eine Partyeinladung zu einer Party der History Society zu schreiben: "Please don't dress up as Hitler." Das sollte selbstverständlich sein. Nicht nur fur Österreicher und Deutsche.

Die gute Nachricht, by the way, ist, dass man wenigstens von David Irving an der NUI Galway nie wieder etwas gehört hat, seit die Einladung an ihn letztes Jahr auf unbestimmte Zeit verschoben wurde.

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Sláinte.

Das schöne an Irland ist, dass hier sogar Arzttermine so unterhaltsam sind, dass sie für einen Blogeintrag geeignet sind.

Meine schreckliche Schweinegrippe/Vogelgrippe/Rinderwahn ist wieder verschwunden, nur das Halsweh ist geblieben. Nachdem es nun nach einigen Wochen noch immer nicht viel besser ist, habe ich beschlossen, mich in die Student Health Unit der NUI Galway zu wagen.

Termin bei den Ärzten der Health Unit ist natürlich keiner zu kriegen. Genausogut hätte ich um eine Audienz beim Papst ansuchen können. Aber die nette Dame am Empfang überzeugte mich, zu einer der nurses zu gehen, die mich untersuchen und im Fall, dass ich eine ernste, tödliche Krankheit hatte, an einen echten Arzt überweisen würde.
Ich betrat also das office der netten nurse.

- Hello! Julia! I can't pronounce your surname!
(Macht nichts, ich deinen vermutlich auch nicht. Und wozu? Hier reden sich sowieso alle mit Vornamen an.)
Ich beschrieb ihr das Problem. Sie mass Fieber, schaute in meinen Hals, in meine Ohren, und fragte mich alle möglichen lustigen Sachen. Ich versuchte so gut wie möglich, meine Krankengeschichte der letzten zwei Monate zu rekonstruieren. (Wozu zum Beispiel gehört, dass mir eine Ärztin der Health Unit zwei Wochen zuvor gegen selbiges Halsweh ein Medikament verschrieben hatte, von dem mir die Apothekerin bei Boot's später stirnrunzelnd erklärte, dass es eigentlich nicht gegen Halsweh, sondern gegen Allergien wirkt. Und ob ich mir sicher sei, dass die Ärztin den Unterschied zwischen "flu" und "allergy" verstanden hatte. Ich habe keine Allergien, und das hatte ich der Ärztin auch gesagt. Das alles erzählte ich jener nurse.)
Die nurse nickte und tippte alles in den Computer - "so we have all the data later".

- Are you on any medication?
- No.
- Are you feeling sick apart from the sore throat?
- No.
- ... Do you have any allergies?
- (Are you listening to me?) No!

Sie dachte eine Minute scharf nach. Dann beschloss sie, dass sie sich durch Halsweh völlig überfordert fühlte, und schickte mich zur Ärztin.

Die Ärztin (eine andere als die vorher erwähnte, und einen Tag später, denn Appointments sind schwer zu kriegen) setzte mich auf einen Sessel in ihrem office.

- That woman in the pink shirt just ran the marathon in Dublin on Monday!
- Okay...?
- Just wanted to tell you. It's amazing. So, why are you here?

Ich erklärte ihr die ganze Sache von vorne. Sie schaute meine bisherige Krankenakte, mit allen Aufzeichnungen der nurse, an.

- Are you on any medication?
- No.
- Are you feeling sick apart from the sore throat?
- Still fine.
- Do you have any allergies?
- Have not developed any since yesterday.

Sie besichtigte meinen Hals, meine Ohren und mass Fieber. Dann schaute sie mich fragend an.

- Do you need antibiotics?

Ich weiss nicht, geschätzte Leser, ob euer Arzt euch schon einmal eine solche Frage gestellt hat. Aber lasst euch gesagt sein, es stärkt nicht unbedingt mein Vertrauen in selbigen Arzt.

- Are you kidding???
- Well, I'm not sure if I should prescribe you antibiotics. So I thought I'd ask you. Okay, antibiotics then. Where are you from?
- Austria.
- Is Austria part of the EU?
- Yes...
- Oh. Of course. Why did I ask you that?
- Uh... uh... maybe because it's so close to Switzerland, and you confused the countries...? (Äh...?)
- Is Switzerland part of the EU?
- Just give me my antibiotics.
- Do you have any allergies?
- New ones I found out about during the last five minutes???
- Haha. Are you allergic to penicillin?
- Not that I know of.
- Maybe you should text your mother and ask.
- If I don't know if I'm allergic to penicillin, why would she know?
- Oh! Right! And she wouldn't have let you out of the house if you were allergic, right? (Wtf???) Now, here's your prescription. Come back if it's not better after a week. See you! Good luck! (Good luck???)

Dann ging ich Tee trinken. Ist gut für die Nerven.

So haben es die irischen Ärzte nun geschafft, knappe fünf Wochen, nachdem ich wirklich krank war, mir Antibiotika zu verschreiben. Jedenfalls hoffe ich, dass es das ist, was auf dem Rezept steht, und nicht irgendein Medikament gegen Heuschnupfen...

Dienstag, 27. Oktober 2009

Kurzes Gejammer

Mein Laptop ist hin. Mein Handy spinnt die halbe Zeit. Wenn ihr mich kontaktieren wollt, schreibt mir am besten eine Flaschenpost und werft sie in den Corrib...

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Im Hörsaal am Boden sitzen, einmal anders.

Ah, ich kann mich noch gut an zahllose Vorlesungen an der Uni Wien erinnern, die ich in überfüllten Hörsälen auf dem Boden sitzend verbracht habe... Oder auf dem Fensterbrett. Oder unter irgendwelchen Tischen. (Und das, obwohl ich brav meine Studiengebühren bezahlt habe.)
Aber so gut besucht wie heute war das Audimax der Hauptuni wohl schon lange nicht mehr: Nach einer Demo am Nachmittag im Sigmund-Freud-Park haben nun über 1000 Studenten das Audimax und einige andere Hörsäle sowie die Aula besetzt. Sie fordern bessere Bedingungen für Studierende in Österreich - genug Studienplätze, Abschaffung aller Studiengebühren, freien Hochschulzugang.
(Eine komplette Liste der Forderungen sowie Berichterstattung gibt es z.B. auf www.derstandard.at.)

Seit einigen Monaten bin ich ja offiziell nicht mehr Studentin in Wien, und muss mich nicht mehr mit der Uni herumschlagen. Ich habe aber genug Zeit dort verbracht, dass sie mir noch bestens in Erinnerung ist:
Überfüllte Hörsäle, viel zu wenige Plätze in prüfungsimmanenten Lehrveranstaltungen, gestresste, überforderte und uninteressierte Professoren, winzige Seminarräume, in denen sich die Studenten praktisch bis an die Decke stapeln, technische Ausstattung, die ein absoluter Witz ist. Dass man in eine Übung nicht reinkommt, weil zu wenig Plätze vorhanden sind, und dadurch ein ganzes Semester verlieren kann, ist keine Seltenheit. ("Bummelstudenten!")
Und dann diverse Aussagen von diversen Bildungsministern über die tollen Studiengebühren, die nur zum Wohle der Studierenden verwendet werden...

Mittlerweile hat die Besetzungsaktion einen Twitter-Account, und eine facebook-Seite.

War höchste Zeit, dass sowas mal passiert. Ich hoffe, die Kollegen erreichen was.

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That's me

Julia, 22, aus Wien. Von September 2008 bis Mai 2009 war ich als Erasmusstudentin in Galway, Irland, und habe begonnen, meine Erlebnisse in diesem Blog aufzuschreiben. Anfang September dieses Jahres bin ich zurückgekehrt, um ein Masterstudium in "Literature and Publishing" zu absolvieren. Hier sind - weiterhin - meine Berichte von der Westküste Europas.

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