Wiener Wasser
Das Wiener Leitungswasser ist ja, wie bekannt ist, eines der grauslichsten auf der Welt. Schon die alten Römer erfanden das Aquädukt praktisch nur, um das Kastell Vindobona mit halbwegs genießbarem Wasser von weit her versorgen zu können, und selbst dann mussten sie tonnenweise Chlor reinschütten, damit sie sich nicht alle möglichen Krankheiten einfangen. Und seit dem Bau der Wiener Hochquellenwasserleitung 1873 geht sowieso alles den Bach runter, und man sollte das Wasser - was ebenfalls jeder Wiener schon als Kind lernt - sogar zum Zähneputzen am besten abkochen. Kurz gesagt: Die ganze Welt bemitleidet Wien ob der katastrophalen Wasserqualität, während die Stadt selbst sehnsüchtig auf das exzellente Leitungswasser anderer Metropolen wie etwa Los Angeles, Kalkutta oder Mexico City blickt.
Zum Glück wird für mich das inakzeptable Wiener Trinkwasser nie wieder ein Problem sein.
Wie der erfahrene Wiener weiß, gibt es in der Innenstadt ein Geschäft, das in allen Fragen zu schwer erhältlichen Lebensmitteln Abhilfe schafft. Das am Graben. Das mit dem Kind mit afrikanischem Migrationshintergrund und Fez als Wahrzeichen. Eh scho wissen. Dort war ich vor kurzem, um ein halbes Gramm meiner Lieblingsbutter um 150 Euro zu kaufen. Höchst enttäuscht musste ich feststellen, dass es nur die billige Butter-Variante um 39,90 Euro pro Kilo gab - Armeleuteessen für den Pöbel, das ich mir dann natürlich nicht kaufte. Aber die Wasserproblematik ist nun gelöst: In diesem tiptop ausgestatteten Supermarkt gibt es zirka 50 verschiedene in Flaschen abgefüllte Sorten Wasser, die den verzweifelten Wiener davor bewahren, sich selbst einen Brunnen graben zu müssen.
Wasser aus aller Welt steht dem Gourmet hier zur Verfügung: Zum Beispiel aus Südafrika (3,99 Euro pro Liter), oder - für den englischen Lord, wenn er aus dem Burgtheater kommt - britisches Wasser um 10,65 Euro/Liter, oder ein edles spanisches Tröpfchen, Literpreis 9,32 Euro. Wählen kann man weiters aus Besonderheiten wie Gletscherwasser aus Island (3,38 Euro/Liter und mit "rundem Geschmack"), oder "Chateldon 1650", das laut Flaschentext schon Ludwig der XIV. super fand, und für ein bisschen Sonnenkönigflair sind 9,32 Euro pro Liter wirklich nicht übertrieben.
Italienisches Wasser hingegen, das sieht man gleich an den Preisen, kann gar nichts. Sogar das "San Pellegrino" in der Designer-Edition von Bulgari kostet nur 1,99 Euro pro Liter. Wobei, das hat für seinen Schnäppchenpreis eigentlich einiges zu bieten: Neben "angenehm weichem Geschmack" enthält es laut Beschreibung vonseiten des Geschäfts "Spuren von natürlichem Uran und ist daher für Säuglingsnahrung nicht geeignet". Na Gott sei dank - ich wusste doch, dass da im Wiener Leitungswasser irgendein wichtiger Inhaltsstoff fehlt. Und so schädlich kann's in Säuglingsnahrung eigentlich auch nicht sein - welche Eltern sehen nicht gerne strahlende Gesichter bei ihrem Nachwuchs?
Auf der Suche nach japanischem Wasser in Fukushima-Edition wurde ich leider nicht fündig, Japan-Fans kommen aber trotzdem nicht zu kurz: dank dem japanischen Designer Issey Miyake, dessen Designerflasche für Evian jede Wohnung verschönert und mit 13,20 Euro pro Liter auch nicht annähernd so teuer ist wie, zum Beispiel jetzt, eine Stradivari oder ein Monet.
Mein Favorit, weil das Etikett mit bunten Blumen und Grünzeug so hübsch ausschaut und es mit nicht mal 4 Euro pro Liter auch gar nicht teuer ist, ist Wasser aus Fiji, das den "unverwechselbar, reinen und ursprünglichen Geschmack eines wertvollen Quellwassers" garantiert. Da ist zwar ein Beistrichfehler drin, aber immerhin kein Uran.
Doch schlussendlich landen wir doch wieder in der Heimat, und wir müssen uns mit unseren Wässerchen wahrlich nicht verstecken: Den internationalen Vergleich halten sie locker aus.
Im "Preblauer Sunshine", zum Beispiel, ist zwar auch kein Uran drin, dafür enthält es laut Beschreibung "LITHIUM, welches eine sehr positive Wirkung auf die Psyche hat und Stress mindernd wirkt". Das ist cool. Laut auf Wikipedia zitierten Forschungen wirkt sich "ein hoher Lithiumgehalt im Wasser positiv auf die Lebenserwartung aus". Das bedeutet also, wenn ich viel "Preblauer Sunshine" trinke, habe ich mehr Lebenszeit zum Bloggen.
Den höchsten Preis pro Liter zahlt man übrigens mit stolzen 17,90 Euro für das österreichischen Granderwasser. Das ist dafür dann, laut Grander-Website, "belebt". Na bam. Also mir ist es lieber, wenn in meinem Trinkwasser alles tot ist.
Das einzige Mal, dass ich Trinkwasser wirklich über längere Zeit in Flaschen gekauft habe, war in meinem ersten Jahr in Galway. Dass das Leitungswasser im Studentenheim sogar in Teeform wie ein Swimmingpool schmeckte, hätte ich ja noch taper ausgehalten. Als ich dann aber hörte, dass es in der ganzen Region kurz vorher einen Skandal mit bakterienverseuchtem Trinkwasser gegeben hatte und einige Monate Leitungswasser absolut tabu gewesen war, gab ich es auf und schleppte fortan Wasser in 5-Liter-Kanistern vom Supermarkt nach Hause. Krank war ich in Irland mit meinen Verkühlungen sowieso oft genug, da muss ich nicht unbedingt auch noch die Cholera haben.
Aber zurück nach Österreich. Was ich heute grundsätzlich sagen will: Ich finde es hundsmegaoberpeinlich, in einer Stadt wie Wien um 17 Euro pro Liter Trinkwasser von irgendwo zu kaufen. Und wenn es zehnmal aus Vulkangestein stammt, ein buntes Bild von Fiji auf der Flasche hat, oder rechtsdrehend ist oder linksdrehend oder den Donauwalzer tanzt - solange in Afrika kleine Kinder verhungern und auch in Europa nicht alle etwas zu essen haben, ist das w-i-r-k-l-i-c-h nicht notwendig. Und für alle, die am Graben Durst bekommen, haben die Wiener Wasserwerke ein paar Meter weiter vorne am Graben einen Wasserspender aufgestellt. Dafür braucht man keinen Wassersommelier - natürlich, den Beruf gibt's wirklich - und das Trinkwasser ist sogar ganz gratis.
Das sollte für jeden reichen. Ich hab euch nämlich vorher angeschwindelt: Dass das Wiener Wasser super ist, wussten schon die alten Römer.
Zum Glück wird für mich das inakzeptable Wiener Trinkwasser nie wieder ein Problem sein.
Wie der erfahrene Wiener weiß, gibt es in der Innenstadt ein Geschäft, das in allen Fragen zu schwer erhältlichen Lebensmitteln Abhilfe schafft. Das am Graben. Das mit dem Kind mit afrikanischem Migrationshintergrund und Fez als Wahrzeichen. Eh scho wissen. Dort war ich vor kurzem, um ein halbes Gramm meiner Lieblingsbutter um 150 Euro zu kaufen. Höchst enttäuscht musste ich feststellen, dass es nur die billige Butter-Variante um 39,90 Euro pro Kilo gab - Armeleuteessen für den Pöbel, das ich mir dann natürlich nicht kaufte. Aber die Wasserproblematik ist nun gelöst: In diesem tiptop ausgestatteten Supermarkt gibt es zirka 50 verschiedene in Flaschen abgefüllte Sorten Wasser, die den verzweifelten Wiener davor bewahren, sich selbst einen Brunnen graben zu müssen.
Wasser aus aller Welt steht dem Gourmet hier zur Verfügung: Zum Beispiel aus Südafrika (3,99 Euro pro Liter), oder - für den englischen Lord, wenn er aus dem Burgtheater kommt - britisches Wasser um 10,65 Euro/Liter, oder ein edles spanisches Tröpfchen, Literpreis 9,32 Euro. Wählen kann man weiters aus Besonderheiten wie Gletscherwasser aus Island (3,38 Euro/Liter und mit "rundem Geschmack"), oder "Chateldon 1650", das laut Flaschentext schon Ludwig der XIV. super fand, und für ein bisschen Sonnenkönigflair sind 9,32 Euro pro Liter wirklich nicht übertrieben.
Italienisches Wasser hingegen, das sieht man gleich an den Preisen, kann gar nichts. Sogar das "San Pellegrino" in der Designer-Edition von Bulgari kostet nur 1,99 Euro pro Liter. Wobei, das hat für seinen Schnäppchenpreis eigentlich einiges zu bieten: Neben "angenehm weichem Geschmack" enthält es laut Beschreibung vonseiten des Geschäfts "Spuren von natürlichem Uran und ist daher für Säuglingsnahrung nicht geeignet". Na Gott sei dank - ich wusste doch, dass da im Wiener Leitungswasser irgendein wichtiger Inhaltsstoff fehlt. Und so schädlich kann's in Säuglingsnahrung eigentlich auch nicht sein - welche Eltern sehen nicht gerne strahlende Gesichter bei ihrem Nachwuchs?
Auf der Suche nach japanischem Wasser in Fukushima-Edition wurde ich leider nicht fündig, Japan-Fans kommen aber trotzdem nicht zu kurz: dank dem japanischen Designer Issey Miyake, dessen Designerflasche für Evian jede Wohnung verschönert und mit 13,20 Euro pro Liter auch nicht annähernd so teuer ist wie, zum Beispiel jetzt, eine Stradivari oder ein Monet.
Mein Favorit, weil das Etikett mit bunten Blumen und Grünzeug so hübsch ausschaut und es mit nicht mal 4 Euro pro Liter auch gar nicht teuer ist, ist Wasser aus Fiji, das den "unverwechselbar, reinen und ursprünglichen Geschmack eines wertvollen Quellwassers" garantiert. Da ist zwar ein Beistrichfehler drin, aber immerhin kein Uran.
Doch schlussendlich landen wir doch wieder in der Heimat, und wir müssen uns mit unseren Wässerchen wahrlich nicht verstecken: Den internationalen Vergleich halten sie locker aus.
Im "Preblauer Sunshine", zum Beispiel, ist zwar auch kein Uran drin, dafür enthält es laut Beschreibung "LITHIUM, welches eine sehr positive Wirkung auf die Psyche hat und Stress mindernd wirkt". Das ist cool. Laut auf Wikipedia zitierten Forschungen wirkt sich "ein hoher Lithiumgehalt im Wasser positiv auf die Lebenserwartung aus". Das bedeutet also, wenn ich viel "Preblauer Sunshine" trinke, habe ich mehr Lebenszeit zum Bloggen.
Den höchsten Preis pro Liter zahlt man übrigens mit stolzen 17,90 Euro für das österreichischen Granderwasser. Das ist dafür dann, laut Grander-Website, "belebt". Na bam. Also mir ist es lieber, wenn in meinem Trinkwasser alles tot ist.
Das einzige Mal, dass ich Trinkwasser wirklich über längere Zeit in Flaschen gekauft habe, war in meinem ersten Jahr in Galway. Dass das Leitungswasser im Studentenheim sogar in Teeform wie ein Swimmingpool schmeckte, hätte ich ja noch taper ausgehalten. Als ich dann aber hörte, dass es in der ganzen Region kurz vorher einen Skandal mit bakterienverseuchtem Trinkwasser gegeben hatte und einige Monate Leitungswasser absolut tabu gewesen war, gab ich es auf und schleppte fortan Wasser in 5-Liter-Kanistern vom Supermarkt nach Hause. Krank war ich in Irland mit meinen Verkühlungen sowieso oft genug, da muss ich nicht unbedingt auch noch die Cholera haben.
Aber zurück nach Österreich. Was ich heute grundsätzlich sagen will: Ich finde es hundsmegaoberpeinlich, in einer Stadt wie Wien um 17 Euro pro Liter Trinkwasser von irgendwo zu kaufen. Und wenn es zehnmal aus Vulkangestein stammt, ein buntes Bild von Fiji auf der Flasche hat, oder rechtsdrehend ist oder linksdrehend oder den Donauwalzer tanzt - solange in Afrika kleine Kinder verhungern und auch in Europa nicht alle etwas zu essen haben, ist das w-i-r-k-l-i-c-h nicht notwendig. Und für alle, die am Graben Durst bekommen, haben die Wiener Wasserwerke ein paar Meter weiter vorne am Graben einen Wasserspender aufgestellt. Dafür braucht man keinen Wassersommelier - natürlich, den Beruf gibt's wirklich - und das Trinkwasser ist sogar ganz gratis.
Das sollte für jeden reichen. Ich hab euch nämlich vorher angeschwindelt: Dass das Wiener Wasser super ist, wussten schon die alten Römer.
juliecaesar - 23. Okt, 03:25
